Interview mit Erik Ackermann und Dr. Robin Bürger zu „crowdFANding II – Mitbestimmung durch Crowdfunding im Sport“

„Sehr zufrieden mit dem Verlauf der Kampagne“

Mit 2099 Supportern aus 35 Ländern, 155.000 Euro gesammelten Unterstützungen und dem Gewinn des Publikumspreises des Innovationspreises Thüringen war die Pilotkampagne von crowdFANding ein voller Erfolg. Bis zum Sonntag, den 10. September lief nun das Folgeprojekt crowdFANding II – Mitbestimmung durch Crowdfunding im Sport in Kooperation mit dem Fanprojekt Mainz. Ziel der Kampagne war der Bau eines Fanhauses für die aktiven Fans des Bundesligisten – und die Hoffnung auf den Weltrekord und ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde als unterstützerstärkstes Crowdfunding-Projekt im Sport. Im Interview berichten Erik Ackermann und Dr. Robin Bürger von der Gruppe Innovationsfinanzierung des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW über die wissenschaftliche Begleitung der Kampagne und ziehen eine positive Bilanz.

 

Lieber Herr Ackermann, Lieber Herr Dr. Bürger, Sie begleiten die Crowdfunding-Kampagne wissenschaftlich. Welche Ergebnisse konnten Sie beobachten?

Erik Ackermann: Wir untersuchen Erfolgsfaktoren für Crowdfunding-Kampagnen im Sport. Analog zur Pilotkampagne haben wir an den Unterstützungsprozess eine Online-Befragung gekoppelt, um beispielsweise Unterstützungsdynamiken oder den Einfluss von Events zu messen und Rückschlüsse auf Ausrichtung und Steuerung künftiger Kampagnen zu ziehen. In einer weiteren Entwicklungsstufe soll die Crowdfunding-Plattform für sogenannte A/B-Tests vorbereitet werden, durch die wir evaluieren können, welche Faktoren (zum Beispiel die Tonalität, Emotionalität des Bildmaterials oder die Farbgebung) das Unterstützungsverhalten beeinflussen.

Dr. Robin Bürger: Der Bereich Sport weist eine hohe Affinität zu Crowdfunding auf. So unterstützten circa 72 Prozent der Befragten die Pilotkampagne „crowdFANding – Südkurve bleibt!“ erstmalig im Rahmen von Crowdfunding. Im Vergleich zu Crowdfunding-Projekten aus anderen Bereichen ist ebenso interessant, dass die angebotenen Rewards und das Kampagnenvideo für den Erfolg der Pilotkampagne nicht ausschlaggebend waren – möglicherweise, weil Crowdfunding-Projekte im Sport generell emotional aufgeladen sind.

Wie geht es im Anschluss an die Kampagne weiter? Und wird es – vielleicht im nächsten Jahr – eine dritte Auflage des Projekts geben?

Dr. Robin Bürger: Wir werden unsere Forschungsergebnisse auf nationalen und europäischen Veranstaltungen zu Crowdfunding und alternativen Finanzierungsinstrumenten präsentieren. Als Mitglied im europäischen Dachverband für Crowdfunding – dem European Crowdfunding Network (ECN) – haben wir zudem die Möglichkeit, unsere Erkenntnisse aus beiden crowdFANding-Kampagnen mit Fachexperten zu diskutieren. Ein zentrales Anliegen ist es, die Möglichkeiten der Mitbestimmung durch Crowdfunding im Sport, von der einmaligen Unterstützung bis hin zur Einflussnahme auf sportpolitische Entscheidungsprozesse, besser zu verstehen. Mit einem Beitrag bei der größten Konferenz zu Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand im deutschsprachigen Raum – dem G-Forum 2017 – publizieren wir in diesem Jahr noch erste Ergebnisse. Mit dem crowdFANding e. V. planen wir bereits die dritte Kampagne, die im nächsten Jahr starten soll. Schon jetzt haben wir verschiedene Bewerber – auch über den Fußball hinaus. Sollte es ein drittes Projekt im Fußball werden, stehen die Weichen für eine Kooperation mit der Deutschen Fußballliga (DFL) sehr gut.

Die Kampagne „crowdFANding II – Mitbestimmung durch Crowdfunding im Sport“ lief bis zum 10. September 2017. Welches Fazit ziehen Sie aus dem Kampagnenverlauf?

Erik Ackermann: Wir sind sehr zufrieden, auch wenn das Fanprojekt Mainz mit 2599 Unterstützerinnen und Unterstützern aus 19 Ländern den erhofften Weltrekord leider nicht geknackt hat. Mit dem erreichten Betrag von 155.700 Euro hat das Projektteam aber die angepeilte 100.000-Euro-Marke überschritten. Dank eines starken medialen Echos in Social-Media-Kanälen, Tageszeitungen (u. a. „Frankfurter Allgemeine Zeitung“) und Szenemagazinen (u. a. „Kicker“) hat die Kampagne „crowdFANding – Ein Fanhaus für Mainz“eine hohe Aufmerksamkeit erreicht.

Weitere Informationen zum Fanprojekt Mainz gibt es unter www.crowdfanding.net.