Kompetenzbündelung: Fraunhofer gründet neuen Verbund für Innovationsforschung

Pressemitteilung / 5.7.2017

Das Wissen um die komplexen Wirkungen neuer Technologien ist erfolgskritisch für ganze Volkswirtschaften. Struktureller Wandel durch technologische Ent-wicklungen muss daher frühzeitig erkannt und verstanden werden, um die langfristigen Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft in ökonomischer, sozialer, politischer oder auch kultureller Hinsicht aktiv gestalten zu können. Mit einem eigenen Verbund für Innovationsforschung stärkt die Fraunhofer-Gesellschaft künftig ihre Rolle im forschungs-, technologie- und innnovations-politischen Dialog mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. So baut sie ihre Position als führender Akteur im deutschen Innovationsgeschehen weiter aus.

Technologische Wandlungsprozesse wie die Digitalisierung lassen verschiedenste Lebens-, Erfahrungs- und Arbeitswelten miteinander verschmelzen. Sie eröffnen neue Gestaltungsmöglichkeiten, gehen aber auch einher mit grundlegenden Veränderungsprozessen. Gerade die rasanten Entwicklungen rund um die digitale Transformation werfen drängende Fragen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf. Diese erfordern mitunter rasches Handeln, damit die politischen Rahmenbedingungen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten können. »Mit ihren vielfältigen Kompetenzfeldern ist Fraunhofer seit Jahrzehnten zuverlässiger wissenschaftlicher Partner der Wirtschaft. Auf Basis unserer exzellenten Vorlaufforschung und unserer Marktkenntnis tragen wir originäre Transferleistungen zur Sicherung der Wertschöpfung in Deutschland und Europa bei. Wir bekennen uns dabei durchweg zu unserer Verantwortung, auch die politischen Entscheidungsträger mit unserer Expertise bestmöglich zu unterstützen«, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer. »Deutschland muss bei systemrelevanten Innovationen ebenso wie bei Innovationen mit disruptivem Potential eine Spitzenreiterposition einnehmen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, einen eigenen Fraunhofer-Verbund zum Thema Innovationen mit dem Schwerpunkt der sozio-ökonomischen und sozio-technischen Forschung zu gründen.«

Schlüsseltechnologien für zukunftsorientierte Innovationen

Der neue Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung nimmt seine Arbeit zum  1. Juli 2017 auf und umfasst zunächst vier Forschungseinrichtungen mit über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart, das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig, das Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT in Euskirchen, sowie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. »Mit ihrer klaren Ausrichtung auf die anwendungsorientierte Forschung und ihrer Fokussierung auf zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien spielt Fraunhofer eine zentrale Rolle im deutschen und europäischen Innovationsgeschehen. Es gibt hier keine andere angewandte Forschungseinrichtung mit einem derart breitgefächerten Technologieprofil«, betont Verbundvorsitzender Prof. Wilhelm Bauer, zugleich Leiter des Fraunhofer IAO. »Durch die Gründung des neuen Verbunds möchte die Fraunhofer-Gesellschaft seine Rolle auf dem Gebiet der Erforschung und Begleitung von Innovationsprozessen und der sie bestimmenden technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weiter ausbauen. Die Verbindung unserer vielfältigen Kompetenzen mit sozio-ökonomischer und sozio-technischer Forschung bietet uns hier ein klares Alleinstellungsmerkmal.«

Technikbezogene Zukunftsfragen mit Systemrelevanz

Der Fokus des neuen Verbunds wird zunächst in der Stärkung der Fraunhofer-Gesellschaft im forschungs-, technologie- und innovationspolitischen Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liegen. Er versteht sich zudem als Plattform für technikbezogene Zukunftsfragen mit Systemrelevanz. In dieser Funktion soll der neue Verbund eine entscheidende Maßnahme der neu gestarteten Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) flankieren: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Ausstattung mit modernsten Geräten und Anlagen in elf Fraunhofer- und zwei Leibniz-Instituten mit rund 350 Millionen Euro, um technologische Fähigkeiten für zukunftsrelevante Themenfelder in einem gemeinsamen Technologiepool zusammenzuführen. »Dabei kann es um die Entwicklung bestehender wie neuer Markt- oder Kundenbedürfnisse gehen, um die Bewertung disruptiver Geschäftsmodelle und innovativer Dienstleistungen, oder auch um Empfehlungen für Technologieroadmaps und Innovationsstrategien. Die Mikroelektronik soll als eine der wichtigsten deutschen Schlüsseltechnologien international mehr Gewicht erlangen – daran gilt es, disziplinübergreifend gemeinsam zu arbeiten«, ergänzt Neugebauer. »Denn bei der Entwicklung und Implementierung neuer Technologien ergibt sich stets die Gelegenheit, sich an die Spitze strategisch wichtiger Transformationen zu setzen. So können wir schon heute richtungsweisende Impulse und enormes Innovationspotenzial für morgen aktivieren.«

In den Fraunhofer-Verbünden organisieren sich fachlich verwandte Institute und treten gemeinsam am Markt für Forschung und Entwicklung auf. Die Verbünde wirken aktiv in der Unternehmenspolitik sowie bei der Umsetzung des bewährten Funktions- und Finanzierungsmodells der Fraunhofer-Gesellschaft mit. Der Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung ist der nunmehr achte Verbund – weitere befassen sich mit den Themen IUK-Technologie, Life Sciences, Light & Surfaces, Mikroelektronik, Produktion, Verteidigungs- und Sicherheitsforschung sowie Werkstoffe, Bauteile – MATERIALS.

Ansprechpartner:

Ansprechpartner Presse Fraunhofer-Zentrum Leipzig
Dirk Langolf, Abteilungsleiter Marketing und Kommunikation
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Das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie entwickelt wissenschaftlich fundierte Lösungen für die Herausforderungen der Globalisierung. Unternehmen und Regionen profitieren von Potenzialanalysen, der Konzeption, Finanzierung und Umsetzung von internationalen Projekten und Netzwerkaktivitäten, der Analyse und Optimierung von Geschäftsmodellen bis hin zum Wissens- und Technologietransfer. Das Institut hat im Jahr 2014 ein Big Data Center aufgebaut. Es verfügt über mehr als 220 Prozessoren und rund 450 Terabyte Speicherkapazität. Mit dieser technischen Infrastruktur und der wirtschaftswissenschaftlichen Expertise des Instituts unterstützt das Fraunhofer-Zentrum Kunden bei ihrem Weg in die Digitalisierung der eigenen Prozesse und Geschäftsmodelle. Das internationale und interdisziplinäre Expertenteam am Leipziger Fraunhofer-Zentrum bündelt seine wirtschafts-, sozial-, politik- und kulturwissenschaftliche Kompetenz, um Fragen zu: Unternehmensentwicklung im internationalen Wettbewerb, Wissens- und Technologietransfer und Nachhaltigkeitsmanagement und Infrastrukturökonomie zu erforschen und zu beantworten.