Digitalisierung der Landwirtschaft: Experimentierfeld EXPRESS in Sachsen gestartet

Presseinformation | Leipzig / 23.10.2019

Leipzig, 23.10.2019 – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 17. Oktober 2019 den Fördermittelbescheid an das Projekt EXPRESS übergeben. Im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nahmen die Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Forschungsinstitute den Fördermittelbescheid entgegen. Ziel des Projekts ist die Erprobung und Förderung digitaler Technologien in der sächsischen Landwirtschaft. Im Fokus stehen dabei kleine und mittlere Betriebe.

Digitale Technologien könnten es landwirtschaftlichen Betrieben zukünftig ermöglichen, ihre Produktivität weiter zu steigern und gleichzeitig Umwelt und Biodiversität zu schonen. Zur Erprobung entsprechender Technologien startet mit EXPRESS (Experimentierfeld zur datengetriebenen Vernetzung und Digitalisierung in der Landwirtschaft) nun ein regionales Experimentierfeld in Sachsen, bei dem digitale Verfahren in fünf Use-Cases getestet werden. Ein Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Pflanzenbau und Sonderkulturen.

Das Projekt wird von einem Forschungsverbund durchgeführt, der durch das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität Leipzig koordiniert wird und an dem das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ sowie das IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme gemeinnützige GmbH beteiligt sind. Als landwirtschaftliche Akteure nehmen an EXPRESS neben anderen die Obstland Dürrweitzschen AG sowie das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe GmbH und Co. KG teil. In den nächsten drei Jahren können sich weitere landwirtschaftliche Akteure dem Projekt anschließen.  

Im Fokus von EXPRESS steht die Umsetzung neuer Technologien in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dazu Dr. Juliane Welz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gruppe Professionalisierung von Wissenstransferprozessen, die das Projekt für das Fraunhofer IMW leitet: »Die Digitalisierung stellt gerade kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe vor Herausforderungen, denen diese alleine kaum gerecht werden können. Mit dem Experimentierfeld EXPRESS bieten wir Landwirtinnen und Landwirten in Sachsen einen niedrigschwelligen Einstieg in digitale Verfahren, der von den Partnern im Forschungsverbund kompetent begleitet wird. Damit wollen wir den Austausch zwischen Akteuren in der Landwirtschaft fördern und Anreize zur Durchführung innovativer Projekte in der Landwirtschaft schaffen.« Dazu erarbeitet das Fraunhofer IMW eine umfassende Wissenstransferstrategie für das Projekt. Durch diese wird das hinzugewonnene Wissen zentral gesammelt und für alle relevanten Akteure zugänglich gemacht.

Die Einführung neuer digitaler Technologien in der Landwirtschaft könnte es unter anderem ermöglichen, den Zeitpunkt für Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz und Ernte zu optimieren: »Zukünftig wollen wir durch die Verbindung von Drohnenbildern mit Künstlicher Intelligenz die Bodenfeuchtigkeit und die Biomasse noch korrekter beurteilen können«, sagt Prof. Dr. Bogdan Franczyk von der Universität Leipzig. »Wir arbeiten sehr eng mit landwirtschaftlichen Betrieben zusammen. Das ist enorm wichtig. Für praxistaugliche Lösungen brauchen wir gegenseitiges Vertrauen und gemeinsames Ausprobieren.«

 

Hintergrund


Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages mit 2,7 Millionen Euro aus dem Titel »Digitalisierung in der Landwirtschaft« gefördert. Bis zum Jahr 2022 sind insgesamt 50 Millionen Euro zur Förderung von Experimentierfeldern in der Landwirtschaft eingeplant. Die ersten sechs von insgesamt 14 Experimentierfeldern sind nun gestartet. Neben EXPRESS wird mit dem Projekt Landnetz der Technischen Universität Dresden noch ein weiteres Experimentierfeld in Sachsen gefördert. Beide Experimentierfelder sind Teil des simul+InnovationHub, einer Säule der Zukunftsinitiative simul+ des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft.

 

 

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Professionalisierung von Wissenstransferprozessen
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Das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW entwickelt wissenschaftlich fundierte Lösungen für die Herausforderungen der Globalisierung. Unternehmen und Regionen profitieren von Potenzialanalysen, der Konzeption, Finanzierung und Umsetzung von internationalen Projekten und Netzwerkaktivitäten, der Analyse und Optimierung von Geschäftsmodellen bis hin zum Wissens- und Technologietransfer. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat sich das Fraunhofer-Zentrum in Leipzig inhaltlich und strukturell stark weiterentwickelt. Mit einem international aufgestellten Team von 194 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 22 verschiedenen Nationen und 25 Sprachen erforscht das Leipziger Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie, kurz Fraunhofer IMW, bis 1.7. 2015 Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa MOEZ, die Internationalisierung von Wirtschaft und Forschung. Das Institut hat im Jahr 2014 ein Big Data Center aufgebaut. Es verfügt über mehr als 220 Prozessoren, rund 450 Terabyte Speicherkapazität und wird stetig weiter ausgebaut. Mit dieser technischen Infrastruktur und der wirtschaftswissenschaftlichen Expertise des Instituts unterstützt das Fraunhofer-Zentrum Kunden bei ihrem Weg in die Digitalisierung der eigenen Prozesse und Geschäftsmodelle. Das internationale und interdisziplinäre Expertenteam am Leipziger Fraunhofer-Zentrum bündelt seine wirtschafts-, sozial-, politik- und kulturwissenschaftliche Kompetenz, um Fragen zu Unternehmensentwicklung im internationalen Wettbewerb und Wissens- und Technologietransfer zu erforschen und zu beantworten.

 

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