ViCon – Virtueller Consent Assistent für informierte und datensouveräne Patienteneinwilligungen

Hintergrund

Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens spielen Daten eine zentrale Rolle für die Erbringung gesundheitsbezogener Leistungen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt »Virtueller Consent Assistent für informierte und datensouveräne Patienteneinwilligungen«, kurz: ViCon, erforscht neue Mensch-Technik-Dialoge. Dabei soll ein virtueller Consent Assistent Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützen, informierte Einwilligungen in die Verarbeitung patientenbezogener Daten zu geben. Dem interdisziplinären Konsortium stellen sich im Kontext von ViCon zunächst die folgenden drei Leitfragen:

  • Welches Maß an Entscheidungsfreiheit und welche Art der Einwilligung wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger bezüglich einer Weitergabe bestimmter Arten persönlicher Daten in unterschiedlichen Forschungskontexten tatsächlich?
  • Auf welcher Grundlage fußt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in einen virtuellen Consent Assistenten und welche Aspekte wirken sich bspw. positiv und welche negativ auf das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger aus? 
  • Über welche Gestaltungselemente muss der ViCon-Assistent verfügen, damit er das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger bzw. der Nutzerinnen und Nutzern gewinnen kann?

 

Der Assistent soll als Vermittler und Vertrauensstelle zwischen datenverarbeitenden Entitäten auf der einen Seite und den Bürgerinnen und Bürgern auf der anderen Seite dienen. Es sollen neue Mensch-Technik-Dialoge entwickelt werden, die es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich in allgemeinverständlicher Sprache über den Verwendungszweck der jeweiligen Datenfreigabe unabhängig zu informieren, sowie die Chancen und Risiken zu verstehen, welche damit verbunden sind.

Für die Umsetzung dieses Ziels engagiert sich ein Konsortium bestehend aus dem Unternehmen Kairos, der FernUniversität in Hagen, dem Center für Ethik, Recht, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in der Medizinforschung (ceres) der Universität Köln und dem Fraunhofer IMW unter der Leitung des Fraunhofer ISST. Das Verbundprojekt wird vom BMBF mit ca. 1,8 Mio. Euro gefördert.

 

Projektziele

Durch das Konsortium werden verschiedenste Forschungsfelder abgedeckt, welche sich in den folgenden Teilzielen ausdrücken:

  • Im ersten Teilziel ist zu quantifizieren, wie verständlich bestehende Einwilligungen sind, um dadurch abzuleiten, wie groß das bestehende Informations- oder Wissensdefizit (Kompetenz) bei der Anwendung von Einwilligungen zur Datenfreigabe ist.
  • Das zweite Teilziel beschäftigt sich mit der Entwicklung von Einwilligungsoptionen, welche unter der Berücksichtigung ethischer und rechtlicher Prinzipien (»ethics in and by design«) sowie eines ethischen Rahmenkonzepts für den Einsatz von ViCon zur Sicherstellung von Selbstbestimmung, Privatheit und Vertrauen beitragen.
  • Das dritte Teilziel dient der Erforschung eines Maßes zur Messung des Vertrauens der Bürgerinnen und Bürger bei der Freigabe von Daten. Darauf aufbauend werden Maßnahmen untersucht, die eine Steigerung des digitalen Vertrauens und somit die Freigabe forschungsrelevanter Daten begünstigen.
  • Das vierte Teilziel beinhaltet die Erarbeitung, Entwicklung und Evaluation eines mediendidaktischen Konzepts zur Adressierung des Informationsdefizits sowie des Vertrauens, indem Notwendigkeiten zur Aufbereitung und Neuformulierung von Inhalten identifiziert werden und mit Lernkonzepten zur Förderung der Digitalen Souveränität hinterlegt werden. Dazu wird eine adaptive Lernumgebung mit Recommender-Systemen als Entscheidungshilfe und Signale mit Aufforderungscharakter, sogenannte Prompts (Hinweisreiz) für individuelle Rückspiegelungen sowie ein Konzept zur Selbstreflexion entworfen und implementiert. In diesem mediendidaktischen Rahmen wird es Bürger und Bürgerinnen möglich sein, in ihrem Lebensalltag die eigenen Wissens-, Informations-, Handlungs- und Lernbedarfe hinsichtlich der informierten Einwilligung bewusst und gezielt in den Blick zu nehmen, personalisierte Lernprozesse auszulösen und Handlungsfolgen selbstreflexiv abzuschätzen. Der partizipative Einbezug der Zielgruppe steht von Beginn an im Fokus.
  • Das fünfte Teilziel besteht letztlich in der Zusammenführung der anderen Teilziele in »ViCon« als Mensch-Technik-Dialogsystem, in dem informierte Einwilligungen mit dem Ziel der souveränen Steuerung von Datenflüssen zur klinischen Forschung und Versorgung umgesetzt werden.
Das Fraunhofer IMW beschäftigt sich im Rahmen des ViCon-Projekts vor allem mit der Erforschung der Messbarkeit und Steuerung von Vertrauen im eHealth-Kontext, der Entwicklung von Geschäftsmodellen für eine spätere Verstetigung und der Evaluation des ViCon-Assistenten mit Blick auf Usability-Aspekte.

 

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektpartner

Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

Ruhr-Universität Bochum CERES

FernUniversität Hagen

KAIROS GmbH


Projektlaufzeit

1.5.2020-30.4.2023

 

 

Projektblatt

ViCon - Virtueller Assistent für informierte und datensouveräne Patienteneinwilligungen